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Für die Fraunhofer-Gesellschaft durften Kai Otto Architekten die Generalsanierung der denkmalgeschützten, neobarocken ehemaligen Augenklinik (erbaut zwischen 1898–1901) planen und zu einem Labor- und Bürogebäude umbauen. Das »Translationszentrum für Regenerative Therapien« des Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC sowie das »Projektzentrum für Stammzellenprozesstechnik« in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT nutzen die historischen Räumlichkeiten heute für zukunftsweisende Forschung in modernen Biolaboren.

Während des laufenden Betriebs der Universitäts-Mensa im Erdgeschoss wurden die drei Obergeschosse sowie das Dachgeschoss saniert. Aufgrund zusätzlichen Flächenbedarfs wurde das Untergeschoss durch einen unterirdischen Technikanbau erweitert. Neben neuen Laborflächen entstanden lichtdurchflutete Büros und Besprechungsräume mit angrenzenden Terrassen.

Gemäß denkmalpflegerischem Konzept wurden der stuckverzierte Eingangsbereich, das historische Treppenhaus, die Flure mit Terrazzoböden sowie historische Türen restauriert, während die Nutzräume entsprechend aktueller Anforderungen modernisiert wurden. Zudem wurden die komplette Haustechnik sowie die Außenanlagen erneuert.

Nachhaltigkeit im Projekt

Im Rahmen des Projekts wurden umfangreiche Maßnahmen zur energetischen Ertüchtigung des Bestands umgesetzt. Dazu zählen insbesondere die Dämmung der Dachkonstruktion sowie die Erneuerung der Fenster mit energetisch optimierter Verglasung. Dadurch konnte die thermische Qualität der Gebäudehülle verbessert und der Energiebedarf reduziert werden.

Ergänzend wurden Fensteranschlüsse und Laibungsbereiche bauphysikalisch ertüchtigt. Außenliegender Sonnenschutz reduziert zudem den sommerlichen Wärmeeintrag und verbessert den Nutzungskomfort. Der sensible Umgang mit der bestehenden Bausubstanz leistet darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zur ressourcenschonenden Weiterentwicklung des Gebäudes.

Informationen zum Gebäude

Die ehemalige »Alte Augenklinik« am Würzburger Röntgenring wurde zwischen 1898 und 1901 unter Leitung des damaligen Universitätsbauamtes von Rudolf von Horstig d'Aubigny in neobarockem Baustil errichtet. Es handelt sich um einen dreigeschossigen Mittelteil mit Mansardwalmdach sowie Mittelrisalit mit Portalfassade und zweigeschossigen Eckrisaliten mit Balustradenbekrönung. Die neobarocke Architektursprache findet sich im Äußeren, aber auch Inneren des Gebäudes wieder. Während des Zweiten Weltkrieges kaum beschädigt, diente es zur Unterbringung von Soldaten. Bei Kriegsende wurde es zunächst durch amerikanische Truppen besetzt, später wieder als Augenklinik genutzt, bis diese 1970 in den Stadtteil Grombühl verlegt wurde. Das historische Gebäude am Röntgenring wurde danach bis Anfang der 1980er Jahre von der Universitäts- Nervenklinik genutzt. Seit 1981 standen die Obergeschosse des Gebäudes leer. Saniert wurde seither der Souterrain für die Mensa und der angrenzende historische Hörsaalbau, welche auch während der Sanierungsarbeiten in Betrieb waren. Das Gebäude ist ein Baudenkmal sowie Bodendenkmal und darüber hinaus Bestandteil des ausgewiesenen Ensembles Würzburg.

Fotos: Stefan Müller-Naumann, Ines Jenewein

Das Projekt war Teil der Architektouren 2024 und wurde im September 2024 mit dem Förderpreis zur Erhaltung historischer Bausubstanz des Bezirk Unterfranken ausgezeichnet.

Umbau und Sanierung Alte Augenklinik Würzburg

Bauherr:
Fraunhofer Gesellschaft

Planungsbeginn: 08/2018
Ausführung: 03/2020 - 05/2023
Baukosten: ca. 23,0 Mio. € inkl. Ausstattung

Projektbearbeitung:
Johanna Perez, Niki Asimi, Laura Kellermann, Franziska Wießmeier, Sandra Rauh, Julia Samhuber, Marianne Dechant, Lida Papakyriakopoulou, Wolfram Kottmeier

Bauleitung für Kai Otto Architekten: Kosel Architekten, Würzburg

Buch zum Projekt als Download

Deutscher Architekturverlag

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